Unsere Liebe Frau von Altötting: das „Lourdes“ Deutschlands

04. Juli 2022
Quelle: fsspx.news

Unsere Liebe Frau von Altötting ist ein der Jungfrau Maria geweihter Wallfahrtsort in Bayern. Es ist der älteste Ort der Marienverehrung in ganz Deutschland. Gott gefiel es, hier zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria seine Gnade reichlich auszugießen und auf ihre Fürsprache hin zahlreiche Wunder zu wirken..

Um das Jahr 700 wurde in Altötting am Ort einer alten heidnischen Kultstätte ein Baptisterium errichtet; später wurde das Baptisterium in eine Kapelle umgewandelt. Bald darauf ließen die bayerischen Herzöge ein Schloss in der Nähe der Kapelle errichten. Karl der Große, der Bayern erobert hatte, kam 803 nach Altötting, um dort zu beten.

Während des gesamten Mittelalters besuchten die deutschen Kaiser und Könige Altötting. Es waren politische und persönliche Gründe, warum die gekrönten Häupter den Wallfahrtsort in Bayern aufsuchten. Dort wurden Bündnisse geschmiedet, Streitigkeiten ausgetragen und Gebete gesprochen. Bemerkenswert ist, dass die Kapelle trotz der vielen Invasionen, die die Region in Unruhe versetzten, immer verschont blieb.

Im Jahr 1489 ereignete sich ein erstes Wunder. Ein dreijähriger Junge war in einem Bach ertrunken, aus dem er erst nach einer halben Stunde wieder herausgezogen wurde. Seine Mutter nahm ihn auf den Arm und lief zur Kapelle. Sie legte den Körper ihres Kindes auf den Altar und flehte die Jungfrau Maria an, es ihr lebend zurückzugeben. Und das Wunder geschah: Gott gab dem Kind das Leben zurück.

Kurz darauf ereignete sich ein zweites Wunder: Ein sechsjähriges Kind fiel von einem Pferd, das einen großen Karren zog. Da der Wagen nicht rechtzeitig angehalten werden konnte, überrollte er das Kind, das daran starb: Es gab keine Hoffnung mehr. Doch seine Eltern beteten zu Unserer Lieben Frau von Altötting und am nächsten Tag lebte der kleine Junge wieder. Sein Körper wies keine Spuren der Verletzungen mehr auf.

Die Nachricht von diesen beiden Wundern verbreitete sich, und während des späten 15. und des gesamten 16. Jahrhunderts strömten beeindruckende Pilgerscharen aus ganz Europa nach Altötting. Neue Wunder bestätigten die ersten und steigerten den Ruhm Altöttings noch mehr. Auch heute noch zieht der Wallfahrtsort jedes Jahr 700.000 Pilger und Besucher an.

Die Betreuung des Heiligtums wurde den Kapuzinern anvertraut, deren Kloster 1654 vom Fürstbischof von Regensburg gegründet wurde. Nach einer Säkularisierungsepisode zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Klosterleben wieder aufgenommen. Der Pförtner des Klosters, Bruder Konrad von Parzham, lebte 40 Jahre lang im Kloster und starb 1894. Er wurde 1934 heiliggesprochen. Er hatte sein ganzes Leben lang eine strahlende Marienfrömmigkeit an den Tag gelegt.

Im Zentrum des Heiligtums steht eine achteckige Kapelle, die als Gnadenkapelle bekannt ist und auch als Heilige Kapelle bezeichnet wird. In ihr steht der Altar, über dem ein Platz für die verehrte Statue Unserer Lieben Frau von Altötting ist.

Die Statue der Jungfrau Maria

Das 64 cm hohe Gnadenbild ist aus Lindenholz geschnitzt; es stammt aus Burgund und wurde über das nahegelegene Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting gebracht. Seit 1518 sind die Jungfrau Maria und das Jesuskind mit kostbar bestickten Gewändern bekleidet.

Die dunkle Färbung des Gesichts und der Hände hat der Statue den volkstümlichen Titel Schwarze Madonna eingebracht. Der Grund für diese Färbung ist der Rauch von den Altarkerzen, dem das Bild über viele Jahrhunderte ausgesetzt war.

Die Patina des Silberlusters verstärkt diese optische Wirkung. Der sanfte und freundliche Ausdruck des Gesichts der Mutter Gottes sowie ihr mütterliches und verständnisvolles Lächeln trugen zum Zustrom der Pilger bei. Dieses Gesicht zeigt die Mutterschaft der Jungfrau Maria über unsere Seelen und ihren Wunsch, uns durch dieses „Tal der Tränen“ in die ewige Heimat zu führen.

Der Altar, auf dem sich die wundertätige Statue befindet, enthält den mit seinem eigenen Blut geschriebenen Brief des Herzogs Maximilian I. (1573-1651), in dem er sich und ganz Bayern der Mutter Gottes weiht.